Shakuhachi: Auf was muss man achten

So meine lieben. Immer mal wieder bekomme ich Shakukuhachis zum Restaurieren, die man hätte nie kaufen sollen. Und manch einer hat da schon hunderte Euros bezahlt. Es ist an der Zeit die Shakuhachi zu demystifizieren. Wer auf ein paar grundlegende Dinge achtet, kann auch ohne Shakuhachi Spezialist zu sein, eine vernünftige Shakuhachi Flöte kaufen. Natürlich könnte ich jetzt sagen, kauft von mir :-), doch das ist anmaßend, selbst wenn ich insgeheim echt weiß, dass ich alles daran setze, dass meine Shakuhachis perfekt sind.
Nun, man muss also auf die Kerbe achten, wo sie liegt, wie sie verarbeitet ist. Auf das Rohr, die Bindungen, das Ende und die Stimmung. Ich habe hierfür ein Video gemacht, wobei ich gerade merke, dass ich eine Sache im Video vergessen habe zu sagen. Bitte achtet darauf, dass die Shakuhachis ein Innendurchmesser von 19-23 mm haben. Je nachdem wie groß sie ist. Optimal ist um die 20-21 mm. 22 und 23 kann man tolerieren, wenn man eine große Flöte hat und selbst auch groß ist. Am einfachsten anzublasen ist eine Shakuhachi mit einem Gesamtdurchmesser von um die 30 mm. Natürlich ist, dies von Person zu Person variabel, aber zu dicke Rohre kann man nicht anspielen, da sie dann am Kinn anstoßen und Luft entweicht, es sei denn die Shakuhachi ist dort angepasst. Regelmäßig passe ich alle Shakuhachis im an, auch wenn sie 28-32 mm Durchmesser haben, um sie noch einfacher anzuspielen.
So, der Rest ist alles im Film sehr ausführlich erklärt.

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Zweiter Tag in Tel-Aviv und Jerusalem II.

Eli holte mich punkt 11:00 Uhr ab, denn ich wollte unbedingt Yad Vashem besuchen und das Grab von Shimon Peres. Es bietet sich an, den der Herzlberg wo die Staatsmänner auch begraben sind, es sei denn sie haben es anders gewollt. Gegen 12:00 setzt Eli mich bei Yad Vashem ab. Ich habe das Wetter überschätzt, da es evident kälter ist als erwartet. Ich muss also ständig in Bewegung bleiben. Eli hat was in Jerusalem zu tun und so gehe ich alleine in die Gedenkstätte. Wie bei Museen kann man so einen Audioguide mit Nummern bekommen. Glatte 30 Schekel. Ich musste meinen Pass hinterlassen und eine Anschrift. Nun, da ich auch endlich die Handschrift gut kann, habe ich meine Anschrift in Hebräisch geschrieben. Das schien offensichtlich den Angestellten zu beeindrucken, der dann wie so viele fragte woher ich komme. Ich hörte mit der Nummer 200 die Geschichte der Gedenkstätte als Einführung, aber irgendwann merkte ich, dass da eine Stau am Eingang entstehen wird durch drei Gruppen und so huschte ich vor sie rein. Wie soll man das nur erklären. Die Wände sind aus Beton und bilden über einem eine Art sehr hohen Spitzdach. Etwas wie ein Zelt, welches ewig lang ist. Es ist sowohl bedrückend als auch einladend. Bedrückend, dass es in die steile höhe immer enger wird, einladend, weil es auffordert weiter zu gehen.
Überall Bildschirme welche alte Aufnahmen zeigen oder alte Menschen, welche das Grauen des Holocaust überlebt haben, die davon berichten. Mich versetzt die die Sachlichkeit der Erzähler ins Staunen. Vielleicht ist es der Mechanismus, welchen Sie entwickelt haben, um diese schrecklichen Dinge zu erzählen. Ich weiß es nicht. Beim der sechsten oder siebenten Erzählung hat die Frau dann doch mit den Tränen gekämpft. Mir wurde immer dumpfer je weiter ich schaue. Welch Niedergang der Menschheit. Man kann diese Erfahrung nicht in Worte fassen. Überall Dokumente, Nachbildungen, Fotos, und Gegenstände, welche die Zeit überdauert haben. Ich denke jeder macht hier seine eigene Erfahrung. Drei Dinge werde ich wohl nie aus dem Kopf bekommen. Da war dieser Film von abgemagerten Kindern, welche am den Bürgersteigen saßen als würden sie jeden Moment tot umfallen. Der Film war so, dass man die Beine der laufenden Menschen sehen konnte, welche zweifelsohne nicht am verhungern waren. Und dann dieses Mädchen, welches weint und den Kopf des Junten (Ihr Bruder ?) schüttelt, er aber nicht reagiert. Tot, schien er. Erst nach einer Minute schütteln bewegte er leicht seinen Kopf. Ob er es überlebt hat, wage ich zu bezweifeln. Was sind das für Menschen, welch Herzen aus Stein, die das auf Beinen vorbeilaufen, um vielleicht zum Abendessen zu gehen oder zur Arbeit. Ich musste mich hinsetzen und einfach eine Pause machen.

Das zweite Bild, welches ich nicht aus dem Kopf bekomme, war dieser Bagger, welche nackte verhungerte Menschen zu Scharen in ein Massengrab schob. Man steht da und weiß nicht wie man reagieren soll. Soll ich nun wegschauen, oder staunen. Was soll ich da tun? Dann sah ich wie einer der Körper, männlich, in der Schaufel des Baggers von dem Leichenhaufen oben nach unten rollte. Sein Kopf war von mir aus rechts, und er viel auf seine linke Seite. Der Tote Körper des Mannes war nur Knochen. Doch als er vor die Leichen auf seine linke Seite viel, sah man seinen Bauch den Sturz abschwingen. Er war innerlich schon am verwesen! Endlich sind wir alle, aber so!? Ich kann das Bild nicht aus dem Kopf bekommen. Ich sagte mir, Yad Vashem sollte mitten in Berlin stehen, anstelle dieser Klötze, die nur abstrakt das Grauen darstellen.

Dann waren da die vielen Schuhe der grauenvoll hingerichteten Menschen. Wer diese wohl getragen hat. Wie sein oder ihr Leben war? Ja und da waren natürlich viele andere Dinge, die ich alle niemals erzählen werden kann und doch hinterlassen sie natürlich einen Eindruck, den man selbst erfahren muss.

Gegen Ende des Zelt-tunnels, mit Zimmer und Themen Nischen rechts und links, war ein Raum mit Abbildungen von Menschen, welche Juden von der Vernichtung retteten. Neben Schindler und anderen war da auch ein Ahmed, ich glaube aus Serbien. Ich konnte nicht alles sehen, weil die Gruppen sich ständig so nah stellten, dass man auf Zehenspitzen manchmal rechts und links zwischen den Köpfen versuchen musste zu erhaschen, worum es geht und ob man warten will bis die Gruppe weg ist oder nicht. Ich hörte den Fremdenführer Ahmed sagen und horchte auf. Er hatte mehrere Juden Unterschlupf geboten. Seine Tochter war dann zum Judentum konvertiert und irgendwie hatte er auch einen christlichen Sohn oder eine Tochter. Quintessenz war, dass der Fremdenführer versuchte das Zusammensein der Abrahamitischen Religionen in dieser Person darzustellen. Was er verpasste ist, dass da stand, dass sein Name Ahmed Sadiq war. Sadiq heißt in Arabisch „Ehrlich, Ehrbar oder Aufrichtig“. Dabei nennen die Juden die Menschen die Juden retteten Tsadiks, ein Wort welches etymologisch mit dem Arabischen Namen verwandt ist. Der ca. 65 jährige Fremdenführer der noch eine Minute am Schild mit dem Namen Ahmed Sadiq stehen blieb sprach ich an ob ihm der Name Sadiq nicht was sagt. Er hatte es tatsächlich bis dato nicht gemerkt. Ich machte ihn darauf aufmerksam. Er war sichtlich überrascht und bedankte sich. Ob es nun ein Zufall war, dass dieser Tsadik auch Sadiq hieß?

Als ich rauskam aus Yad Vashem dachte ich mir das Arial noch etwas weiter anzuschauen, aber ich merkte, dass mir die Bilder und Dokumentationen doch sehr nahegekommen sind und dass ich das erst einmal bearbeiten muss.

Ich nahm einen kostenlosen Shuttle zum Herzlberg, wo Shimon Peres bestattet ist. Das Arial ist groß und duzende junge Soldaten waren dort, so dass ich nicht genau wusste ob ich richtig oder falsch bin. Und so fragte ich mich durch. Ein junger Soldat, höchstens 18, sagte, dass er weiß wo Shimon Peres liegt, dass er mich dahin nehmen könnte. Ich müsste aber seine Chefin fragen. Eine junge Dame, sehr jung, vielleicht 20 mit Maschinengewehr, zusammen mit drei weiteren, welche versuchten diese jüngeren Soldaten zu ordnen. Ich nahm ihn bei der Hand und fragte sie einfach. Hübsch sah sie aus, doch fauchen konnte sie auch. Sie pfiff ihn zurück.

Gut, dann versuche ich es alleine. Ich ging den Hügel hoch. Da oben war ein größerer Grabstein. Vielleicht 6×6 Meter. Das kann nur Herzl sein. Davor ein englischsprachiger Fremdenführer. Ich fragte ihn einfach und er sagte mir wo ich hinsollte.

Endlich fand ich Shimon Peres. Ich hatte mir schon das Kaddisch aufs Handy gespeichert. Ein Aramäisches Gebet, welches ich schon einmal für eine Freundin sagte. Es zu sagen ist eine Mitzwa, also eine gute Tat, die ich gerne für Shimon mache und bekomme. Immerhin war er einer der weisesten Männer der modernen Geschichte. Ich habe um ihn getrauert, denn er hätte in diese Region den Frieden gebracht. So dachte ich stets.

Pünktlich holte mich Eli ab. Er zeigte mir dann noch eine Wohnung welche er gekauft hat und bot ernsthaft mir an, dass mit der Familie kommen kann und hier bleiben dürfte. Ich verzweifele weiterhin völlig an seiner Gastfreundschaft. Ich werde wohl nie es schaffen mich bei ihm angemessen zu revanchieren.

Ich hatte im Auto Schwierigkeiten zu kommunizieren. Ich war einfach zu erschöpft. Er hatte mir gesagt, dass Yad Vashem heftig sein wird, aber so? Ich kann euch nur raten, hierfür einen Tag frei zu halten. Wer ein Herz in der Brust hat und Augen im Kopf, kann hier nicht rauskommen wie er reingekommen ist.

Wir aßen dann noch ein Falafelbrötchen. Allerdings gefällt mir das Konzept. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe wie es hier funktioniert. Die meisten Falafelstände haben Salat und mehrere Schalen mit Soße und eingelegte Gurken etc. offen zugänglich. Wenn man ein Brötchen bestellt, kann man sein Brötchen damit aufpeppeln und auch ein paar eingelegte Gurken, Paprikas oder andere Dinge sich nehmen. Ein echt freundliches System.

In Tel-Aviv angekommen fragten mich meine AirBnB Gastgeber was ich denn gemacht hätte. Ich erzählte über Yad Vashem und Shimon Peres. Es kam ein „Uff“, mit der Betonung, dass es eine schwere Sache ist.

Ich bin dankbar gekommen zu sein und wünschte, dass unsere neue rechtsgerichteten Politiker und ihre Anhänger mal sich dies auch vornehmen. Ob sie danach immer noch ihre Parolen rufen werden, wage ich zu bezweifeln.

Erster Tag in Tel-Aviv

Ich bin in ein echt interessantes Haus gelandet. Alleine die Fliesen sind es wert hier zu sein.

Klar, es ist renovierungsbedürftig, doch mich stört das nicht. Kalt ist es hier, auch bei 30 Grad.

Zwei Hunde und eine Katze und drei Musiker, die mich alle sehr freundlich aufgenommen haben.

Ich wollte den Tag etwas ruhen und spazieren und so lief ich zum Hafen. Immerhin hatten wir hier 26 Grad. Alle Häuser am Hafen sind mit Kalkstein verklinkert oder gar daraus gebaut. Und je näher man zum Wasser kommt, desto älter und enger es wird. Die vielen Gassen mit aufsteigenden glattgelaufenen Treppen und den dazwischen errichteten Cafés haben was Bezauberndes. Man kann kaum glauben, dass nur 500 meter tiefer ins Land ein Stadttrubbel ist als wäre es der Tahrirplatz in Kairo.

Eli hat mich angerufen als ich gerade am Hafen ankam und vereinbart mich bom arabischen Haus gegen 15:00 abzuholen. Er wolle mir einiges zeigen.

Also entschied ich mich etwas zügiger zu laufen, ich bin ja noch ein paar Tage hier.

Ich kaufte mir für 15 Schekel beim Palästinenser ein Falafelbrot und ging durch den Markt und entlang den Hafen.

Ich schwöre bei allem was mir heilig ist und jemals werden kann, wäre es nicht die Kippah auf dem Kopf der alten Männer, wie sie vor ihrem Laden mit einem Kaffee Backgammon spielen, dann würde ich denken ich bin im Khan Khalili-viertel in Kairo. Ja selbst Papyrus verkaufen sie. Ich suchte ob ich eine neue Flöte entdecken kann, doch die achäbigen Kawalas waren tatsächlich nicht für Musik gedacht.

Punkt 15:00 war ich zurück und sprang in Elis Auto.

Welch Freude ihn zu sehen. Eli ist ein Energiebündel und obwohl ich ihn nur kurz kennenlernte hat er mich empfangen als wären wir 50 Jahre Brüder.

Faszinierend dieses Volk. Ich erinnerte mich an meinen Gedanken aus dem Kibbutz, dass es diese Hingabe zum Menschen ist, welches dieses Völkchen ausmacht. Allerdings als Gesamtvolk, auch die israelischen Palästinenser, zumindest die ich traf, beginnen sofort von dem Positiven im Land zu sprechen. So hat im Baklawa Laden mit Kaffee gegenüber der Inhaber mir eine halbe Stunde von den tollen und hilfsbereiten Menschen erzählt, egal ob Jude oder Muslime.

Eli nahm mich zu einer Stelle wo ich von Jafo bis ins moderne Tel Aviv am Wasser sehen kann.

Dann fuhren wir nach Modain. Sein Vater welcher in 1967 und 1973 kämpfte und nun selbst über 90 ist, wollte mich unbedingt sehen.

Nicht ganz unerwartet hat er viel über Geschichte gesprochen, dass er von den Ägyptern in Ismailiyya beeindruckt war, als sie dort einmarschierten. Dass er ein Sadat-Fan war, wie nahezu alle älteren Israelis. (Sadat hatte den yom kippur Krieg begonnen und anfangs sogar teilweise gewonnen, bis die Israelis auch einen Vorstoß machten).

Für Ägypten war es wichtig die Ehre wieder herzustellen nach den vielen Niederlagen. Die Überquerung des Suezkanals und die Rückgewinnung Teile des eroberten Sinais hat dafür gesorgt. 1979 schloss er den Frieden mit Israel und Ägypten bekam hierdurch den Rest des Sinais zurück, bis auf eine Stadt. Taba hat dann Ägypten durch ein Urteil des internationalen Gericht zurückgewonnen.

Der alte Mann wusste bestens bescheid. Und wie auch sonst, hat er auch seine Geschichte niedergeschrieben und veröffentlicht.

Er sprach sowohl Deutsch wie ein paar Brocken Arabisch. Seine Wohnung war klein und erinnerte mich an die Wohnung meiner Tante Karima aus Ägypten.

Wenn er sprach lehnte er sich etwas vor in der Couch. Zwischen den Worten machte er oft eine Pause, um dann mit seiner rechten Hand die Worte zu betonen, um dann seine Hände vor seiner Brust zu verschränken und sich wieder zirück zu lehnen.

Er sprach bedacht und mit der Autorität seiner Erfahrung und seines gefüllten Lebens. Spitz war er und machte seine Witze. In der Marine war er auch kurz. Und während seine Kompanen in Marseille die Mädels checken wollte, ging er zur Post um seiner Leidenschaft nachzugehen. Diese würde aber erst am Montag aufmachen. Das wußte er nicht und die Frau welcher er fragte sagte ständig Lundi, Lundi.

Er dachte sie beschimpft ihn. Erst auf dem Schiff habe man gelacht und ihn aufgeklärt, was die aufgebrachte Frau sagte. Er lächelte und lachte über sich selbst und sank einen Momenz zurück in seine Gedanken von einst. Kurz konnte ich ihn in jungen Jahren sehen, naiv stolz nach Briefmarken suchend. Wer sammelt heute schon Briefmarken in der Zeit bon Googlemail und WhatsApp.

Ein ganzes Kultursymbol, eine Kommunikationmethode mit eigenen Regeln und Knigge, eine Denkmalpflege, das Briefmarkensammeln; alle sind an unseren Fingerspitzen am Handy in Vergessenheit gesunken.

Ich war mit Elis Vater eins im Geiste für ein Moment. Ich hätte noch viele Momente tanken können, doch nach zwei Stunden gingen wir.

Eli stellte mich seiner Expartnerin vor, welche ihm als Mensch viel bedeutet. Noch ein gemeinsamer Nenner, meine Expartnerin ist nicht nur mir wichtig, sondern wahre Familie. Ich bin stolz auf unsere Familie und darauf, dass meine Frau dies auch so sieht und oftmals ejer an sie denkt als ich. Ich teilte dies mit meinem neuen Freund Eli und wir verstanden uns so wie Semiten unter einander es tun. Ein “Tsadeq” will man sein, ein “Sadeq” in Arabisch. Das ist ein Wahrhaftiger zu sein. Ein Mensch der aufrichtig ist und sich nicht bon Gier und Subjektiven Motiven alleine leiten lässt. Ein Tsadek macht das Richtige für den Willen das Richtige zu tun und nicht für die Konsequenzen die daraus folgen.

Dies ist das anzustrebende Ideal, welches man zwar oft verfehlt aber dahin strebt. Eli und ich verstehen uns ohne Erklärungen. Es ist als würde man mit einem Insider in einer Szene mit wenigen Symbolen ein ganzes System andeuten und darin handeln, während der Aussenstehende nicht weiß worum es geht. Wir aßen noch eine Kleinigkeit zusammen und natürlich wollte Eli dass ich viel esse, aber ich bin da wohl doch zu deutsch geworden und habe mich durchgesetzt nur einen kleinen Snack bestellt.

Eli + und ich frage mich immer noch woher er diese Energie bekommt – weigerte vehement meinen Vorschlag anzunehmen, mich im Zug nach Tel Aviv abzusetzen, sondern fuhr mich zurück und verabredete sich mit mir mich am nächsten Tag abzuholen, um Yad Vashem in Jerusalem zu besuchen.

Nun bin ich schon drei Nächte hier und habe so viel von den Menaczhen erlebt wie ich es beim besten Willen nie erwartet hätte.

Ich bin aufgeregt Yad Vashem zu besuchen.

Im Haus haben ich dann noch mit den dreien bis 1:30 Musik gemacht und etwas gejammt.

Keine Chance, dass ich so früh nach Jerusalem kann. Ich sendete Eli eine WhatsApp ob es nicht um 11 Uhr gehen würde anstelle von 10 Uhr. Ich war mir sicher, dass er schon schläft. Aber er war bei der allgemeinen Gesundheitskontrolle. Scheinbar kann man hier 24/7 durchweg Termine bekommen. Und so bekommt man schnell ein Termin. Erstaunlich!

Vom Kibbuz nach Jerusalem und Tel-Aviv Jafo (dritter Tag)

Ich hoffte einmal auszuschlafen. Doch wie schon erwähnt, haben die Katzen gewählt ihre Dispute vor meiner Tür auszutragen und das gleich mehrfach. Schlecht, denn ich wollte unbedingt voll entspannt sein, da Zsuzsi mich nach Jerusalem fahren wollte.

Natürlich hatte Zsuzsi viele geheime Tipps, die ich niemals mit den Öffentlichen erreicht hätte. Als erstes fuhr sie mich bei der Universität vorbei wo man einen Blick auf die andere Seite Jerusalems haben kann. Man stelle es sich vor, auf der einen Seite schaut man auf Al-Quds, der Moscheekomplex, der Klagemauer, Davidstadt usw. und auf der anderen Seite ein Blick den Berg herunter auf die Wüste mit mehr grünen Flecken als gelbe oder weiße, denn überall wachsen Sträucher.

Den Berg herunter grasen Ziegen und Führer stehen an dem angebauten Panorama und erklären von Napoleon und den Engländern. Wie hängende Gärten kann man zwei Etappen runter gehen. Da war eine Frau mit einem eigenen „Leibführer“. Sie hatte ihre Karte aufgelegt und der Führer stritt mit ihr, wer was wann wo zuerst eroberte. Eigentlich ein störendes Bild, dann aber ist Jerusalem auch Streitpunkt seit tausenden Jahren, warum also sollen die friedlich reden dachte ich mir.

Wie ich langsam feststelle werde ich überall grundsätzlich als jüdischer Israeli wahrgenommen. Egal ob ich in Englisch, Deutsch oder Arabisch frage, wird erst einmal in Hebräisch geantwortet. So dann auch dieser englische Fremdenführer, den ich mit „Have a good day“ begrüßte, welcher dann in Hebräisch mir freundlich antwortete und zunickte.

Ich wusste noch nicht ob diese Wahrnehmung ein Vorteil oder ein Nachteil sein wird. Ich merkte, dass ich mich in Israel stets mit Ägyptisch-Deutsch vorstelle, wenn die Menschen doch fragen und nicht mit Deutsch-Ägyptisch. Vermutlich, so glaube ich, liegt es daran, dass ich hier tatsächlich mich etwas in Ägypten fühle. Ferner sehen die meisten Menschen hier eher Arabisch aus als in Europa. Es fällt mir auch schwer die Palästinenser von den Israelis zu trennen. Wenn da nicht eine Kippa auf dem Kopf ist oder diese typische jüdische “Mitpachat” oer “Kisi-Rosh” welches die konservativen Frauen tragen. Letztendlich ist es identisch zu einem Kopftuch in Funktion und manchmal sieht es gemein identisch aus. Natürlich kann man die Männer in Schwarz nicht übersehen, wobei sie in Jerusalem fast normal sind. Sie tragen ihre Hüte und schwarzen Strumpfhosen und darüber ein Schwarzen Kittel der in Beige oder Orange mit einem Afghanenkittel verwechselt werden könnte.

Aber unter den Durchschnittsnormalbürger kann man nur schwer zwischen Palästinenser und Hebräer unterscheiden.

Das wars dann mit dem View und wir wendeten uns dem Ölberg zu. Zsuzsi wollte mir noch unbedingt den arabischen Laden zeigen, wo sie ihre Jacke für die Hochzeit ihres Sohnes gekauft hatte. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Wir fuhren sehr steil herunter in einer engen Straße. Der Laden war auf der linken Seite kurz vor einer starken Kurve nach links. Halbrechts gab es dann noch zwei Abbiegungen und Gegenverkehr. Zsuzsi in aller Gottesruhe entschied sich genau an diesem krietischen Punkt mitten in der Straße zu wenden. Und nicht, dass sie es auf Anhieb schaffte, sondern mit vielem vor und zurück. Und bei jeder Gelegenheit zischte ein Auto zwischen der entstandenen Lücke. Und nicht genug, sie manövrierte dies gleich drei Mal. Ich dachte ehrlich, dass jeden Moment aus dieser Kurve ein Auto uns erwischt. Wir hatten Glück! Der Laden selbst war ein Touristenladen mit alles was ein Tourist in einem Laden wie die vor den All-Inklusiv Hotels in Hurghada finden würde.


Nun gut, für Zsuzsi ist es nicht nur der Laden den sie mir zeigt. Ihr liegt viel daran dem Marwan Hassan zu zeigen, dass es zwischen den Arabern und Juden hier funktioniert.

Endlich kamen wir dann doch zum Ölberg, wo ich ein paar Bilder von dem Felsendom machen konnte. Noch interessanter war, dass der ganze Hang mit Grabsteinen aus Kalkstein übersät war. Und ich rede hier von zigtausenden solchen Grabsteinen. Die Gräber sind sogar in ganz wenigen Fällen noch frisch belegt. Ich sah da ganz weit unten ein paar schwarzbekleidete Orthodoxen. Rechts runter konnte man die russische Kirche sehen mit einigen Zwiebeltürmen wie es im roten Platz ist. Von dort fuhr Szuszi durch eine Gasse mit einem Neigungswinkel von gut 50° Grad und einer 3 Meter Breite bis zum Kotel (der Klagemauer). Parken ist dort absolut unmöglich, doch von einer Seitenstraße rief ein junger Araber „Parking“. Für 50 Schekel fuhr er einen Wagen in einer engen Gasse von der Seite weg und ich durfte reinparken, da es dann doch für Zsuzsi zu schwer wäre, wobei sie sich nicht nehmen ließ, dann noch einmal in den Wagen zu steigen und ihn 10 cm vor um wieder 10 cm zurück zu fahren.

Zsuzsi ist zweifelsohne die stolzeste 72-Jährige die ich jemals gesehen habe. Und wenn sie beginnt ein Thema leidenschaftlich zu besprechen kann sie nicht gebremst werden. Allemal sind die Israelis ein stolzes Volk und das zurecht!

Auf dem Weg nach Jerusalem fuhr mich Zsuzsi 45 Minuten durch einen Wald, der Wüste war. Als die Juden nach Palästina kamen und hat man viele anfangs engagiert, Bäume zu pflanzen. Der Plan war, dass wenn nur genug Bäume anwachsen, dass irgendwann das Wurzelwerk des Waldes Wasser stauen wird und der Wald überleben wird. So ist es auch gekommen, wobei ich zwei Tage später erfuhr, dass der Grund der vielen Brände daran liegt, dass man in der Gründungszeit nicht daran gedacht hat, welche Bäume man einpflanzt. Sie trocknen zu stark im Sommer und sind so anfällig für Brände. Ob dies nun auch so stimmt kann ich nicht sagen, doch dies sagte mir Eli, welcher ebenfalls nicht unerwartet ein Orkan von Hilfsbereitschaft, Leidenschaft für sein Land und Freundlichkeit ist. Doch dies ist eine ganz andere Geschichte.

Zurück zum Kotel, die Klagemauer. Zsuzsi gab mir in ihrem österreichsichen Akzent klare Anweisungen, dass ich nicht zu reden habe, wenn wir am Checkpoint sind. Immerhin werde ich eh als Jude wahrgenommen. So war es auch. Ein Israeli äthiopischer Herkunft am Checkpunkt fragte mich ob ich zu ihr gehöre ich antwortete mit dem wenigen Hebräisch dann doch und er winkte mich durch.

Endlich an der Klagemauer. Ich nahm mein Hut hab, setze meine Kippah auf und machte meine Gebete, beim Männerabschnitt. Auch ich hatte meinen Zettel, den ich zurück in einem Spalt ließ. Es ist ein ergreifender Moment, dort zu stehen wo unsere Vorväter einst waren, immerhin sind wir Abrahamiten. Es fragte kein Mensch ob ich Jude, Muslime, Atheist oder Klingone bin. Die Orthodoxen Juden können ihre Lederriemen an einem Kiosk binden lassen und haben natürlich sehr vertieft ihre Gebete mit einknicken rezitiert, wie man es kennt. Ich denke „davening“ beschreibt es am besten, auch wenn es Englisch ist.

Nun schreibe ich es doch. Ich musste echt meine Tränen aus der Brille wischen. Keiner wird es verstehen, doch der eine Juden im Stuhl verstand es. Er hatte mir dann auch ein Foto gemacht.

Von hier sind wir dann durch einen Tunnel gegangen wo wir eine kleine Mahlzeit Humus mit Fritten gegessen haben. Zsuzsi blieb in der Gaststätte als ich zur Al-Aqsa Moschee und dem Felsendom ging, welche beide in der Al-Aqasa Umfriedung liegen und vom 7 Jh. stammen. Eigentlich wollte meine Vernunft darauf verzichten, denn hier dürfen nur Muslime rein. Ich schämte mich. Da gehe ich zum Kotel und kann neben Juden beten und dann muss Zsuzsi draußen bleiben. Doch so hat der israelische Staat es ausgehandelt und mehrere Wachen sorgen dafür, dass Nicht-Muslime nur in den Besucherzeiten reinkommen, während Muslime den ganzen Tag rein können. Doch ich war in 51 Jahren nicht hier, daher bin ich dann doch reingegangen.

Die erste Kontrolle, Soldaten in Blau: „Lo, lo“ (Hebräisch: Nein, nein).

Ich sagte ich bin Ägypter. Eigentlich hätte ich auch Muslime sagen können, doch ich schämte mich dafür, dass Zsuzsi unten blieb, wobei es ihr doch ihr gefiel eine Pause zu machen. Die erste Hürde überschritten musste ich durch die zweite Absperrung. Zwei sehr junge Soldatinnen in Grün: „Mr. You are not allowed in”. Ich fragte dann warum, und mir war bewusst, dass ich weiß warum, aber das soziale Spiel muss gespielt werden. „From where are you from?“ sagte die eine. Und ich sagte from Egypt and Germany. Die eine Soldatin war sehr fröhlich und sagte, dass sie in Hannover war und sagte: „Guten Tag, ich liebe dich“. Ich lachte und sagte, dass in Englisch leider schon vergeben bin. Sie lachte und fragte nach den Pass, den ich zeigte und ließ mich durch. Endlich durch das Haupttor dachte ich, aber nein. Dieselbe junge Soldatin muss hinterher und einem Palästinenser zurufen und auf mich zeigen. Dieser fing dann in Englisch mich zu fragen woher ich komme. Egal wie oft in Arabisch antwortete sprach dieser Englisch. Irgendwann sagte ich im deutlichen ägyptischen Akzent, dass er aufwachen soll. Er ließ mich durch.

Ich ging zuerst zur kleinen Moschee und merkte sofort wie ich von mehreren skeptisch angeschaut wurde. Auch bemerkte ich schon den ersten Sicherheitsmenschen in Zivil der diagonal nach links 20 Meter hinter mir lief. Trotz demonstrativen Gebet in der Moschee, wurde ich von Menschen angesprochen, woher ich komme. Und als ich dann auch noch von der zweiten Moschee rauskam bemerkte ich, einen anderen der meine Verfolgung aufnahm. Ich hatte auch beim Felsendom mich fotografieren lassen. Das machte eine nette junge Muslima. Ihre Mutter war sehr aufgeregt, dass ein Ägypter da sei und sprach ununterbrochen davon, wo sie überall in Ägypten war.

Ich wäre gerne länger geblieben, aber Zsuzsi wartete im Kaffee und so ging ich los. Aber natürlich wieder mit Verfolgung. Der Typ sprach dann irgendwann mich auch natürlich in Englisch an. Ich entschied mich stehen zu bleiben und nicht zu sprechen, bis er Arabisch spricht, was er dann im vierten Anlauf machte. Ich sagte, dass ich es dumm finde, dass er mich beobachtet. Er lächelte tatsächlich sehr freundlich und meinte es sei ihm nur aufgefallen, dass ich das Nachmittagsgebet nicht mitbetete, obwohl ich die zwei Rakas gebetet habe.

Nun, ich bin Tourist sagte ich und machte mich auf den Weg.

Halb erschöpft gingen wir zum Auto und fuhren dann zurück zum Kibbutz. Zsuzsi wie auch ich wollten kurz ruhen, bevor die Frau mich auch noch nach Tel-Aviv fährt.

19:30 ging es los und ich kam in das ein fantastisches altes Haus. Das Haus selbst ist zwar heruntergekommen, aber alles ist sauber. Zwei Musikerinnen und Musiker leben dort und ich freute mich auf die kommenden Tage.

Erschöpft, dankbar und mit viel Stoff zum Denken, entschied ich meinen Blog kurz zu pausieren, denn ich muss erst alles verarbeiten. Mittlerweile sah ich ein, dass es doch nicht so schlimm war, dass Touristen nur bis 14 Uhr besuchen dürfen. Es ist ja nicht so, dass keiner reindarf. Nur ist die bittere Realität, dass oftmals einige Palästinenser sich aufregen, wenn ein orthodoxer Juden da oben betet. Im Kontext der Orthodoxie ist es ja nicht ein frommes Gebet, sondern eines welches den Anwesenden den Gedanken demonstriert an demselben Ort den Tempel Salomons wiederaufzubauen. Das bedeutet dann auch immanent die Moscheen abzureißen. Dann gibt es auch noch solche Palästinenser, welche, in ihrer weit übers Maß schreiten . Ich habe nichts dergleichen erlebt. Doch wie wäre es wenn ich aus der Hosentasche meine Kippah gezogen und aufgesetzt hätte. Ich möchte nicht urteilen, wer nicht betroffen ist hat leichtes Reden. Wenns nach mir ginge, hätte ich den Juden den Zutritt jederzeit gelassen und auch das Beten, solange sie nicht zu den 5 Gebeten sich extra vor die Muslime stellen. Gerne würde ich sehen, dass Muslime sogar helfen einen Teil des Tempels aufzubauen. Mit heitiger Technik kann man beide Moscheen Abrahamiten integrieren.

Jerushalayim, „Der Ort des Friedens“ wie du heißt, wie viele Idioten auf der Welt haben deinen Namen schon verfehlt.

Ich freue mich dich gesehen zu haben, doch werde ich wiederkommen müssen, denn ich möchte unbedingt das Grab von Shimon Peres besuchen und Yad Vashim. Doch brauche ich einen Tag ruhe von dir.

Shalom

Zweiter Tag im Kibbuz

Die Nacht war schwer. Viele Gedanken und kein Internet um meine Familie zu kontaktieren.

Um 8 Uhr ging ich von meinem Kibbutszimmer rüber zu Zsuzsi Wohnung. Sie bereitete mir ein Frühstück. Omelett mit Parmesan und dazu gab es Humus Käse und was es halt so gibt.

Relativ früh besuchte wir Nira. Ich hatte der Dame mal eine Flöte geschickt, weil ich in Zsuzsi’s Facebook gelesen hatte, dass sie mit 80 zwei Mal die Woche ins Altersheim geht. Nicht etwa für sich selbst, sondern um den Alten Leuten Flöte vorzuspielen. Ihr Bild damals strahlte Lebensfreude aus und ich fand ihr Wirken so beeindruckend, dass ich der Dame eine Flöte schicken musste. Das ist nun drei oder mehr Jahre her. Zsuzi hatte in ihrem Wiener Akzent schon gesagt, dass Nira sich schon wahnsinnig auf den Besuch freut.

Da waren wir also. Welch Ausstrahlung diese Frau hat. Grauweiße Lochen ein dauerhaftes Lächeln und in ihrem roten Kleid mit diese typischen Mustern deren Name ich läuft die fast 85 jährige Frau behutsam durch ihr Haus und doch ziemt es als würde sie hüpfen. Stolz zeigt sie, dass meine Flöte, welche sie leider nicht spielen konnte einen Platz auf ihrer Kommode hat. Als ich die Flöte, die Xiao-Shakuhachi, ihr vorspielte funkelten ihr Augen vor Freude.

Sie sagte, sie schreibe ein neues Buch, wo sie mich erwähnt hat. Weg war sie. Nach 15 Minuten kam die Frau mit einem Ausdruck der Seite 142, wo sie von dem muslimischen Flötenspieler erzählt, welcher der Jüdin im Kibbuz eine Flöte geschenkt hat. Für Sie war das erheblich mehr als eine Flöte. Sie schreibt, dass die Alten im Altersheim manchmal nur schreien, oder kein Wort sagen können. Doch wenn sie auf ihrer Blockflöte spielt, dass die eine dann plötzlich zuhört und der stumme mitsummt. Für sie ist dass ein Wunder und in diesem Kontext ist dann eine Flöte aus Deutschland vom muslimischen Flötenbauer gekommen. Ich war geehrt. Es ist ja nicht, dass die Frau nie geschrieben hat, sondern sie hat schon zwei in Israel sehr berühmte Kochbücher geschrieben.

Die Frau mit 85 ist ein Wirbel von Lebensfreude und Kreativität. Aus Plastikflaschen mit Tischtennisbällen macht sie Blumen aus Colabüchsen Schwäne. Ich bin fasziniert. Ob ich mit 60 einen Bruchteil ihrer Energie haben werden, vage ich zu bezweifeln.

Zsuzi welche ebenso umtriebig ist und Menschen aus aller Welt durch Facebook trifft bekam einen Anruf. Eine Theologin und Pfarrerstochter, welche aus Berlin zu einem Kongress kam, war gerade auf dem Rückweg zum Flughafen und schlug vor vorbeizukommen. Zsuzsi mit einem vollen Programm, da bin ich, wir wollten noch Lori eine Ausschwitzüberlebende besuchen und ihre Geburtstagsfeier am Nachmittag mit 5 Erwachsenen und 7 Enkelkinder, sagte natürlich zu und sprang auf um sie vom Kibbuzeingang abzuholen.

Für diese Menschen ist das Zusammensein, dem Menschen zur Hilfe zu eilen und die Gastfreundschaft so selbstverständlich wie morgens die Zähne putzen. Ich bin einfach sprachlos.

Ein Gedanke kommt in mir auf, ob nicht dies das Geheimnis des israelischen Erfolgs ist. Man sagt, Juden seien intelligent und innovativ, aber sie haben auch nur die gleichen Zellen wie wir, Fleisch, Blut und Knochen. Kann es sein, dass die Einstellung zum Leben, zum Menschen der Schlüssel zum Erfolg ist. Als der Soldat Gilad Sharit gefangen worden ist, hat Israel für ihn 1027 Gefangene frei gelassen. Der Mensch ist hier im Zentrum des Geschehens denke ich mir. Und als der Bürgerkrieg in Syrien losging haben israelische Ärzte an der Grenze mobile Krankenhäuser für die Syrer errichtet. Das ist keine Mär oder Israelische Propaganda, ich habe bei der Flüchtlingsarbeit mit Syrer gesprochen, welche diesen Dienst in Anspruch genommen hatten.

Natürlich gibt es auch Kriminelle unter den Israelis, keine Frage. Es geht mir hier nicht um einzelne Personen, sondern um die allgemeine gesellschaftliche Merkmale.

Zsuzi kam mit ihrer Freundin zurück, wir stellten uns vor usw.
Ich war vor dem Haus von Nira, weil ich etwas Sonne brauchte. Und ich fand eine Harke, einen Korb und einen Schnee- oder Laubschaufel, welche alle aus alten Kanistern gebastelt worden sind. Wie cool ist das dachte ich mir.

Nebenan wohnte Lori. Eine 94 jährige Frau, blind, lebensfroh und stur. Weil sich sich vehement dagegen wehrt ins Altersheim zu gehen hat man zugesagt, dass ein junger philippinischer Mann sie betreut. Zwar hat sie stets abgelehnt, eine Pflegerin zu bekommen. Doch als Zsuzi hörte, dass ein Philippiner eine Beschäftigung braucht, fragte sie einfach ob sie vielleicht einen Pfleger akzeptieren würde, sagte Lori sofort zu.

Lori lebte bis 1943 in Berlin. Sie wurde mehrfach deportiert und es ist eine Glückssache, dass sie lebt. Ich wollte nicht sie zuviel fragen. Ich kann mir vorstellen, dass sie ihre Geschichte schon hunderte Male sagte. Also ließ ich sie erzählen und fragte wenig. Sie war nach Amsterdam deportiert worden, so sagte Zsuzi, dass ich auch in Amsterdam wohnte. Eigentlich hatte ich einen Laden im Afrikaanse Plaats, wo ich auch schlafen konnte und eine Bleibe in Haarlem. Lori war zwar 6 Jahre in Amsterdam, aber das war auch über ein Jahrhundert her. Und doch fing sie an jedes Detail zu überprüfen. Dann meinte sie ich spreche aber einen Akzent, den ich tatsächlich durch meine belgische Frau habe. Am Anfang unserer Ehe meinte meine Frau ich spreche ein hartes Niederländisch wie meine Frau. Nun sagen mir Niederländer ich spreche ein weiches Niederländisch wie die Belgier.

Lori ist allemal hellwach. Szizi ist mit 72 flott und doch jedes Mal wenn Zsuzi was erzählte hat Lori hier und da ein feines Detail korrigiert. Wie kann das sein fragte ich mich.

Das Zimmer in welchem ich bleibe gehört einem 96 jährigen Mann, der dann doch ins Altersheim gekommen ist. Das erste Mal als ich ihn traf löste er ein Kreuzworträtsel, das zweite Mal Soduku. Er meinte er will sich im Kopf fit halten. Auf mein Staunen, sagte mir seine Tochter, die weiß Gott wie alt ist, dass er sogar noch täglich ein paar Stunden arbeiten geht.

Was sind das für Menschen frage ich mich. Sind sie von einem anderen Planeten? Oder ist es diese Gemeinschaft des Kibbuz, welche langes erfülltes Leben bewirkt. Einfach sagenhaft. Wäre ich 20 dachte ich mir, würde ich den Schritt waren.

Die Tochter von Lori, hatte mittlerweile meine Brille provisorisch repariert, welche ohne fremdes Zutun einen Bügel abwarf (inklusiv Bruch). Und so verabschiedeten wir uns.

Zsuzsi bestand darauf noch ein Mittagessen für mich warm zu machen. Ich aß zusammen mit ihrer bezaubernden Enkeltochter Reef, welche ich eine kleine Kinderflöte mitgebracht hatte.

Nach einer kleinen Pause, kamen ihre Söhne, ihre Schwiegertöchter und zusammen mit den sieben Enkelkinder haben wir ihr Geburtstag vom Vortag gefeiert. Ich hatte den älteren drei Enkelkindern Flöten gebaut und Corinne hatte den restlichen vier Geschenke besorgt.

Kinder sind Kinder egal wo. Und es gebt wohl keine größere Freude als die von Kinder. Das Haus von Zsuzi ist nicht groß, und darüber hinaus sind nahezu alle Wände mit Regalen bedeckt wo Keramiken stehen und viele kleine Kunstwerke. Zsuzsi hat ihr Leben lang Kunst gemacht dazu auch mehrere Wohlfahrtsprojekte geleitet. Mit 66 ist sie in die Rente gekommen. Und sie arbeitet nebenbei noch ein paar Stunden die Woche.

Die Familie von Zsuzsi hat mich sehr herzlich akzeptiert und das ist nicht selbstverständlich. Ich war am Abend dankbar. Dankbar, dass ich diese Menschen kennen lernen durfte. Dankbar, dass ich Nira und Lori erleben konnte und dankbar, dass ich die Offenheit habe dies zuzulassen.

Wie dumm doch diese Xenophoben Idioten und radikalen Ideologen sind, die sich solchen Erfahrungen verbieten.

Ich wollte hier mein Hebräisch lernen. Doch am späten Abend hatte ich so viele Eindrücke, dass ich keine Kraft zum lernen habe. Dan habe ich eben die Hebräer gelernt, dachte ich mir und ging ins Bett. Leider gibt es nicht nur Katzen in Eberswalde. Diese Nacht haben zwei Katzen sich vier oder fünf Mal vor meiner Tür gestritten. Ich wollte unbedingt ausschlafen, um am Folgetag die Kraft haben, auch die seelische, um Jerusalem zu erleben.
Ich werde diese Geschichte aber morgen schreiben.

Mein erster Tag im Kibbutz

Meine Gastgeberin heißt Zsuzsi. Wobei sie einen hebräischen Namen trägt, ist dieser ursprünglich Altägyptisch. SnSn, die Lotus im Wasser. Die Hebräer haben das Wort übernommen im Klang und der Bedeutung Lilie.

Die Ankunft war seltsam. Es war als würde ich in Kairo landen. Ähnliche Gesichter und ähnliche Luft. Auch die Straßen, Strassenlaternen und selbst die überstrichenen Bürgersteig-Kantsteine und der Staub. Die Palmen, Ficusbäume und Sträucher.

Anders waren die vielen Zitrusbäume Herrenlos mit Fallobst. Ich musste an den Treidelweg denken.

Zsuzsi obwohl ihr Geburtstag und ihr siebentes Jahrzehnt hat mich von Ben Gurion abgeholt, zusammen mit ihrem neugierigen und hellwachen Enkelstochter.

Selbst das Tanken konkurriert mit Kairo. Da der Vorwagen solange stand, machte Zsuzsi ihren Schwank und drehte sich davor Nase vor Nase um an die Tanksäule zu kommen. Als der Typ endlich ins Auto stieg, dachte ich mir schon: “Wird er nun wie ein Deutscher schimpfen oder, weil er wie Ähypter fährt, es hinnehmen”.

Er stieg ein fuhr rückwärts und dann um uns rum ohne eine signifikante Reaktion.

Toll, die Reise meines Lebens endet in ein Spiegelbild Ägyptens.

Doch dieses Bild zeigte sich schnell falsch.

Im Kibbutz leben fast 1500 Menschen in kleinen bis mittleren Häusern. Kann man am besten mit einer besseren Gartenkolonie in Deutschland vergleichen. Nur gibt es da einen feinen Unterschied. Jede Entscheidung wird in einer direkten demokratischen entschieden. Anfangs vor einem halben Jahrhundert noch so streng, dass man selbst die Namen der Kinder versuchte mit zu wählen. So wurde die Erstgeborene Nira benannt. Ein Spalt in der Erde beim bepflanzen. Als ein Kind “zweite Chanukka Kerze” genannt werden sollte, haben sich die Eltern erfolgreich zur Wehr gesetzt.

Heute hat jeder hier eine gemeinschaftliche Aufgabe. Man lebt zusammen sorgt sich für einander und hilft wo man kann.

Das, das ist der feine Unterschied, der Lichtjahre zwischen diesem Land und seinen Nachbarländer bewirkte. Es ist die Hingabe zur Sache.

Vielleicht irre ich mich, aber für nun erscheint es mir so.

Zu Abend hatten wir Essen in der Kibbutzkantine, mit Tablett und Selbstbedienung bis zur Kasse, wie man es halt von Kantinen kennt, nur mit dem Unterschied, dass ich nicht ständig fragen musste ob es Schweinefleisch ist. Welch Erfahrung und Abwechslun, wenn man als Muslime in Deutschland lebt.

Jeden Mittag gibt es hier feines Essen, wenn auch mit Kantinecharakter wie in einem Behördengelände im tiefsten Osten.

Stichpunkt Osten, Kibbutz ist was kommunistisches mit demokratischen Charakter und unternehmerischen Verstand, bedenkt man dass hier Früchte und Milchprodukte hergestellt und vermarktet werden.

In der Kantine waren Menschen arabischer, europäischer und asiatischer Herkunft. Als man mich fragte was mich bewegte zu besuchen, sagte ich die Wahrheit. Wir waren mal lange her Feinde und ich hielt es für gut eigene Vorurteile aktiv abzubauen.

Leider konnte ich trotz dem vielen Hebräisch lernen nur wenig verstehen. Ein Buch ist schon was anderes als die real gesprochene Sprache.

Ein paar Sätze dennoch konnte ich mit den Kindern wechseln.

Die Menschen hier sind freundlich, aufgeschlossen und nett. Mir tut das gut und es macht mich nachdenklich ob es andersrum so wäre.

Leila tov

In drei Tagen nach Israel

Ich habe entschlossen, den Israelischen Markt für meine Flöten zu öffnen. Deshalb reise ich nach Israel, um dies zu erkunden. Vielleicht ist das Wort Markt eröffnen nun doch eine Nummer zu groß für meinen Shop, aber es ging mir bei meinen Flöten stets darum, Kulturen zusammenzubringen. Als nun ein Deutsch-Ägypter ist halt Israel zweifelsohne die Kontrastkultur welcher ich meine orientalischen Flöten anbieten möchte. Es gibt hierzu aber auch eine persönliche Geschichte, die ich mit euch hier teilen möchte.

In den letzten Jahren habe ich einfach entschieden, entschieden gegen Vorurteile zu gehen. Deshalb dachte ich, mich an der eigenen Nase zu fassen. Ich bin größtenteils in Ägypten sozialisiert worden, zwar in einer multikulturellen Gruppe, aber man kann den Medien und der gesamten Gesellschaft nicht entfliehen. Der Jude galt und gilt als Beleidigung. Alle Juden sind Zionisten, welche nur ein Ziel haben, die Muslime zu zerstören und ihr Land zu berauben usw. So zumindest der Mainstream.

Natürlich kann man behaupten, dass wir Krieg hatten und daher die Ressentiments so stark waren, doch es lag mehr darin. Auch wenn heute versöhnliche Klänge auftauchen so ist der Mainstream fürchterlich Judenfeindlich. In den Diskussionen kommt dann stets der Script: “Wir haben nichts gegen Juden, nur gegen Zionisten”, doch in der Realität sieht es anders aus. Da erlaubt sich etwa ein Programm wie die versteckte Kamera einen Plot zumachen. Prominente werden eingeladen in ein Interview und wissen nicht, dass es ein israelischer Sender sein soll. Natürlich ist er es nicht, aber der Trick liegt darin, so zu tun als wäre es einer, aber wie so die Juden sind (!) haben die das verborgen. Es geht also darum zu sehen, was der Prominente machen wird, wenn er erfährt, dass er gerade mit Israelis ein Interview führt.

Abgesehen davon, dass es beschämend ist, wie die aufspringen und brüllen und aggressiv werden, werden die Prominente dadurch beurteilt, wie sehr sie ablehnend sind und sich theatralisch weigern weiter daran teilzunehmen.

Das ist Antisemitisch, denn es geht hier nicht um die Politik Israels oder dem Netenjahu. Es geht einzig und alleine darum zu sehen, ob dieser Prominente den Arsch in der Hose hat sich nationalistisch gegen den bösen Jud zu wehren.

Das ist dann eine Fernsehsendung welche Mensche anschauen und sich amüsieren. Da mag man noch so lange plappern, dass man zwischen Zionismus und Judentum differenziert. Auf dem Boden der Realität muss jeder Jude sich dort tarnen und verstecken.

In einer anderen beschämenden Sendung verkleidete eine Person sich als orthodoxer Jude. Der Mensch wurde von wenigen geraten sich zu verstecken, einige haben versucht ihn zu schützen. Doch der aggressive Mob war beängstigend und könnte im besten Fall mit schlimme Körperverletzung geendet sein.

Alles kann man in YouTube sehen. Mir wurde als Kind solange erzählt, dass die Israelis Matchbox-Autos (kleine Spielautos) mit Explosiven Mittel befüllten und vom Himmel mit Fallschirmen auf uns fallen ließen, bis ich glaubte, dass ein verletzter Nachbar nur durch so eine böse Bombe verletzt sein konnte.

Das war meine Realität! Was soll ich da schön reden?

Ich fand es schon als Jugendlicher beschämend, aber natürlich hat man durch so eine Sozialisation einiges übernommen. Also ging ich vor 4 Jahren einfach in einige Synagogen und hörte gut zu. Ich wurde mit Liebe und Freude aufgenommen. Habe so viele Shabbats mitgemacht, dass ich mich schämen muss. Als Heranwachsender erinnere ich mich, wie ein Imam nach einem Blutbad des Terroristen Baruch Goldstein, welcher 29 Muslime beim Beten in Jerusalem und 150 tötete. Da rief der Imam in der Mustafa Mahmoud Moschee: “Oh Gott, lass ihre Frauen Witwen werden, ihre Kinder Waisen” und viele solche schreckliche Wünsche. Mir wurde fürchterlich schlecht. Ich hatte aber nicht den Mut aufzustehen und zu sagen, dass er undifferenziert ein ganzes Volk verflucht. Ich sah dass ein paar wenige Erwachsene aufstanden und gingen. Die große Mehrheit, mich inklusive, verstummte. Einige Gesichter waren auch schockiert, doch die Meisten sagten nach jedem Ruf “Amen” egal ob sie verstanden was das gesagt wird oder nicht.

Hier kam ich also 2013 in eine Predigt von Ben-Chorin. Es war gerade ein Massaker geschehen. Palästinenser hatte drei Siedler getötet und diese hatten einen Palästinensischen Jungen dann verbrannt, lebendig.

Der Mann predigte, dass Rache falsch sei. Er sagte, dass er selbst vom Krieg noch Blut an den Händen hat und es für die Leute nicht wünscht. Dass er selbst mit dieser Schuld fertig werden muss. Er sagte, dass es nicht sein kann, dass ein palästinensischer Junge bestraft wird. Einer im Raum murmelte “doch”. Aber das war nur einer, zumindest hörte ich nur einen. Ben Chorin fuhr fort im Gebet. Aus dem Gebetbuch las er vor, wir lasen mit. Und dort war eine Passage, wo der Frieden für Beni Israel gewünscht wird. Ben Chorin passte es an und wünschte Frieden für Ben Yisrael und den Palästinensern.

Ich war einfach geschockt! Ein absoluter Widerspruch zu diesem hässlichen Imam damals.

Ich bin auch nicht naiv. Ja natürlich gibt es radikale Juden, etwa die Hilltop Judend, welche aktiv Palästinenser terrorisieren. Ich weiß, dass es auch sicher den einen oder anderen Imam gibt, der differenziert. Doch wer YouTube heute anschaut sieht tausende hetzende Prediger, welche nicht differenzieren. Sie sind blind. Sie sehen nicht dass israelische Ärzte hunderte und hunderte von Syrern gerettet haben. Dies wobei Syrien und Israel deklarierte Feinde sind. Sie sehen nicht, dass selbst Hamasmitglieder zur Behandlung in ihre Krankenhäuser kommen.

Der Untergang vieler Arabischer Länder liegt nicht daran, dass ihre Politiker korrupt sind, es liegt nicht daran, dass man ohne Bestechung nichts machen kann, es liegt nicht daran, dass der Islam von seiner Spiritualität ausgehöhlt worden ist und nur noch als ein Set von Dogmen vermittelt wird, es liegt nicht daran, dass die Eltern ihre Kinder zum Spielen auf die Straße senden, oder vor die Kiste setzen, um ihre Ruhe zu haben, es liegt nicht daran, dass sie nichts schaffen. Es liegt einzig und alleine daran, dass Israel in der Gegend ist!

Wie armselig. Ein Prediger in Österrich Adnan Ibrahim, der es wagt die Dinge beim Namen zu benennen hat eine Studie mal repräsentiert. Der Name ist mir entfallen. Doch in der Islamischen Welt mit 70 Ländern ist die Summe der wissenschaftlichen Autoren 3000 von 350.000 in der Welt gewesen. Dagegen hat das Land Israel welches so groß ist wie ein Gau in Ägypten 6500 Publikationen im selben Jahr gehabt.

Israel ist nicht schuld an dem Untergang der Muslime, sondern die Muslime selbst. Dies wobei der Koran sagt: “Gott ändert nicht ein Volk, bis sie (die Menschen) in sich selbst ändern”. Und doch suchen alle den schuldigen Zionisten Juden!

Ich hab es satt!

Daher hatte ich entschieden Hebräisch zu lernen und wurde belohnt. Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Ja natürlich gibt es auch schreckliche Juden, wie auch schreckliche Buddhisten oder Christen. Aber ich habe mehr gute Menschen als Böse kennengelernt. Ich wage es zu sagen, und das ist keine Floskel, einer der Menschen die ich am meisten liebe ist ein bekennender Jude. Ich freue mich auf seinen Besuch und wenn er uns ein Tischgebet sagt. Ich vertraue ihm mehr als hunderte Menschen die ich im Leben kennengelernt habe.

Als ich nach der Predigt mich dem Rabbi Ben-Chorin vorstellte und er erfuhr, dass ich aus Ägypten kam. Umarmte er mich auf Anhieb und konnte sich schwer fassen. Er sprach etwas Arabisch und sagte aufgeregt, dass er mit Palästinensern aufgewachsen war. Er war im Krieg in Ägypten. Er lud mich zum Shabbat Essen ein. Ich bin diesem Menschen so dankbar. Er hat mir eine ganze neue Welt eröffnet. Man stelle sich doch nur vor, was wäre wenn er nicht so weltoffen wäre. Hätte ich mich in meinen Vorurteilen bestätigt gefühlt?

Nun habe ich also 250 Seiten in meinem Assimil Hebräisch Buch fertig und belohne mich mit einer Reise ins heilige Land. Es ist für mich mehr als eine Tourismustour. Es ist eine Reise für meine Seele. Eine Reinigung von Ballast an Vorurteilen und Blödsinn, denn man mir eingepeppelt habe.

Ich werde meine Freundin Zsuzsi und ihre bezaubernde Enkelkinder besuchen, ich werden bei einer Musikerin in Tel Aviv bleiben und einen Kollegen besuchen. Ein so netter Mann, dass ich es einfach bereue nicht früher diesen Schritt gemacht zu haben.

Ich kann jedem Raten sich von Vorurteilen weitestgehendst zu befreien. Denn sie benebeln unsere Wahrnehmung, schließen uns von möglichen Bekanntschaften aus und machen uns dumm.

Und dann entdeckte ich durch ein DNA Test auch noch, dass von meinen 20% ethnischem Nordafrikanisch (Ich bin überwiegend Europäisch) tatsächlich 13% Sepharden waren. Was für ein Streich. Ich rief meine Cousins in Ägypten an und sagte, wenn ich von meinen 20% Nordafrikanisch über die Hälfte Jüdisch bin, dann müsst ihr, die keine Europäische Mutter oder Asiatische Großmutter habt über 80% jüdisch sein. Ibrahim sagte, dass er der Sache nachgeht. Und siehe da. Unsere Wurzeln waren tatsächlich aus einem jüdischen Dorf. Es wurde eh gemunkelt über unsere Familie, da die überwiegende Mehrheit heller ist und grüne oder blaue Augen hat.

Ich freue mich auf meine Reise und habe einige Flöten für meine israelischen Freunde gebaut. Wer will, kann dann hier lesen was ich so erfahre und wie ich mich dabei fühle.

Shalom Chaverim

Besinnliche Feiertage Weihnachten und Flöten-Gedanken

Es geht in der Website um Flöten, Flöten aus Bambus. Ich möchte hier nicht einfach so frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen, wie wir alle zu hunderte Male über Facebook bekommen werden. Es geht mir um mehr, oder vielleicht um etwas konkreteres.

Flöten bauen bedeutet für mich sehr viel. Ich versuche mit meinen Flöten alte Sounds und orientalische Klänge in die westliche Musik einzubinden und somit sie vielfältiger zu machen. Der Auftrag etwa für ein Musikstück aus Herr der Ringe oder für das Musical Tarzan von Phil Collins zu bauen, für das Orchester der Bundeswehr oder für alle möglichen Philharmonien in Europa macht mich stolz. Endlich nach so vielen Jahren ist es mir gelungen, diese Bambusklänge die ich seit meiner Kindheit kenne und spiele in die populäre und klassische Musik zu integrieren.

Der Höhepunkt meiner Karriere in dieser Hinsicht war keines dieser Erfolge da oben, sondern während ich für eine Firma an einem Werbefilm teilnahm. Da waren drei Straßenmusiker in Frankfurt am Main. Einer spielte so eine selbstgebaute Längsflöte und ich sagte dem Team. Das kann er nur aus meinem Buch haben. Die meinten nur “Ja, ja, komm mal runter. Auch andere bauen Flöten”.

Als wir aber fertig waren und uns kurz den Musikern näherten, schaute mich der junge Mann an und sagte: “Marwan, Sie sind doch Marwan”. Ich sagte ja und er sagte, dass er meine Bücher studiert hatte und alle meine YouTube Filme kennt. Er zeigte mir mit Stolz seine selbstgebaute Flöte.

Ich glaube das war der Moment an dem ich am zufriedensten mit meiner Flötenarbeit jemals war. Denn wenn es hier angekommen ist, bei den Laien, bei den jungen Leuten, dann… dann ist es angekommen. Ich war den Rest der Woche zutiefst dankbar und dachte mir, nun habe auch ich ein bisschen die Welt verbessert.

Das war vor der Flüchtlingskrise und vor Sarrazin und Co., die alle, wie ich es verstehe, meinen ganze Menschenmengen wegen ihrer Ethnie oder Religion zu verunglimpfen. Die letzten Jahre stimmen mich trübe und ich mache mir große Sorgen, um unser aller Zukunft.

Heute hätte meine Mutter, welche selbst einen deutschen Vater und eine Belgisch-Asiatische Mutter hatte geboren. Bis das alles losging sagte ich stets, dass ich 10 Jahre meines Lebens willig und gerne hergebe, wenn ich sie nur ein Mal wieder sehen könnte, ihr Hände küssen und umarmen dürfte. Heute sage ich mir, ein Glück ist sie gestorben, bevor sie diese Zeiten erleben konnte, wo die Gesellschaft sich spaltet und man offen ganze Menschengruppen beschimpfen kann. Es sind sehr schwierige Zeiten geworden in denen wir leben.

Ich wünsche mir für Weihnachten, für 2019, für unsere Familien, unsere Kinder und Enkelkinder, dass wir alle lernen zueinander zu leben und nicht gegen- oder auseinander. Ich wünsche Herrn Sarrazin Frieden im Herzen und dass er eine Flöte von mir spielt. Ich schenke sie ihm. Ich wünsche mir, dass wir auf die AfD’ler zugehen anstelle sie in die defensive noch weiter radikalisierende Ecke zu zwingen, dass wir Ihnen mit gutem Vorbild, mit gutem Miteinander und Frieden zurückgewinnen. Ich wünsche mir, dass es keinen Türken, Araber oder Bio-Deutschen gibt, sondern nur Menschen die hier leben, zusammen leben und ihre Heimat die nun mal Deutschland ist schützen, schonen und zu einen besseren Ort für unsere Nachfahren machen. Das unsere Oma und kleines Kind sich sicher ohne Furcht von A nach B bewegen können, dass wir den Obdachlosen die Hand strecken und eine Decke über den Kopf ermöglichen, den Flüchtlingen die Zeit geben ihre Wunden zu überstehen und anerkennen, was so viele von Ihnen bereits geleistet haben. Ich wünsche mir, dass wir alle Geschwister werden, dass der Muslime, der Christ, Buddhist, Atheist, Naturist oder sonst was -ist, seinen Mitmenschen als Bruder und Schwester sieht und nicht als bedrohlichen Anderen.

Ich wünsche dir, deinen Liebsten, deiner Familie, Kinder und Eltern Frieden und Liebe.

Marwan

Shakuhachi goes Umweltfreundlich mit LUCID

Ganz im Sinne des Umweltschutzes, des Recyclen von Verpackungsmaterialien, will ich dass ihr wisst, dass ab 2019 jeder online Händler verpflichtet ist, das Recyclen des Verpackungsmaterials auch zu finanzierten. Selbstverständlich habe ich mich da auch angemeldet und zahle meine Beiträge.
Im Stern der Transparenz könnt ihr dies meinen Shop unter www.verpackungsregister.org mit der Registrierungsnummer: DE5338708368685-V verifizieren.

Um was es genau geht ist in diesem Film auch erklärt:

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