Die Shakuhachi entmystifiziert

Lange habe ich mir überlegt ob ich diese Worte in meinen Shaku-Blog schreibe, aber nun reichts. Ich baue Bambusflöten seit nun fast 30 Jahren. Dreißig Jahre in denen ich mich mit Nays, Bansuris, Kawalas und Shakuhachis beschäftige. Ich habe im deutschen Büchermarkt die einzigen Lehrbücher und Bauanleitungen veröffentlicht. Dies tue ich gewiss nicht weil ich mit meinen Erfahrungen geize, sondern aus dem Glauben, dass man Wissen und Erfahrung teilen muss.

Es scheint, dass es einen gewissen Shakuhachi-Clan mit OMMMMM-Stimmung gibt, denen das nicht gefällt. Für sie muss man auf dem Boden sitzen und sich als Japaner ausgeben, um die Shakuhachi zu spielen. Alles andere ist falsch! Dabei haben die Japaner und Asiaten sowieso längst die westlichen Instrumente entdeckt und die besten Musiker der Welt geschenkt. Kein Japaner würde auf den Gedanken kommen aus Geige oder Klavier eine sektarische Musikgemeinschaft zu machen. Doch hier in Europa ist Shakuhachi gleich Halbwissen und Möchtegern ZEN-Buddhisten. 

Für mich ist die Shakuhachi aber ein tolles Instrument, welches ich mit Präzision stimme und so gut wie es nur möglich ist verarbeite, damit wir damit Musik machen können. Deshalb werden meine Shakuhachis und andere Instrumente in vielen Musikals, Philharmonien und Filmmusikaufnahmen gespielt. Ich schreibe dies jetzt nicht um anzugeben oder sonst aus einer Überheblichkeit, sondern weil ich alle paar Monate mein Shakuhachi-Lehrbuch in Wikipedia unter der Rubrik Shakuhachi als Referenz angebe und diese dann immer wieder gelöscht wird, bei Beibehalten der anderen englischen Quellen. Etwa Zeitgleich beim Löschen meines Buches kamen dann auch gleich drei negative Bewertungen. Kindisch finde ich! Sollen die die so hinterlistig sind in ihrer Hinterlistigkeit baden. Ärgert euch, denn es ist so, dass meine Flöten gut sind, dass sie in der ganzen Welt gespielt und geschätzt werden.

Neulich schickte mir ein Musiker die Aufnahmen welcher er berichtete Stolz mit meinen Flöten gemacht zu haben. Auf dem Cover war dann eine Wurzelendshakuhachi welche nicht von mir war. Das Etiket, der Markt verlangt nunmal ein OMMM-Instrument. Viele von denen bekomme ich zur Restauration und staune wie man 1500 Dollar und mehr für ein bis zu 70 Cent verstimmtes Instrument zahlen kann.

Der Oberhammer war, als einer dieser netten Klug… nach einer bösen Email in welcher er mich über Shakuhachis erzogen hat, tatsächlich von einem Freund eine Shakuhachi kaufte, welche allerdings von mir war und dies gleich zu 850 Euro, während ich sie meinem Freund und Ladenbesitzer für 300 Euro verkauft hatte. Nun glaubt der Shakuhachi-Guru es mir gezeigt zu haben, dass er die Flöte nicht aus meinem Shop kaufte. Ich finde es irgendwie amüsant.

Und gar nicht so lange her, kam ein Kunde mit einer doch sehr schönen Shakuhachi zu mir, dass ich sie bewerte. Er hatte sie aus der Schweiz von einem Oberguru des Shakuhachispielens gekauft. Ich fand sie sah echt edel aus. Als ich sie spielte war das F fast ein E und das G höher als ein G#.  Ich staunte aber sagte nicht dass sie schlecht ist, denn egal was die anderen über mich meinen, werde ich keinen Kollegen namentlich schlecht machen. Doch der Kunde schaute mich an und sagte: „Spucke es doch aus, sie ist völlig verstimmt.“. Ich sagte: „Du sagst es selbst“. Dann erklärte mir der Kunde, dass als er dies entdeckte er den Shakuhachi-Guru anrief und dieser ihm erklärte, dass dies so beabsichtigt ist, weil die Shakuhachi nach den Wellen des Mondes gestimmt sei! Herr Gott, was kann man mit Unsinn Geld machen. Die Mond-Wellen Shakuhachi kostete allerdings 890 Schweizer Franken. Irre!

Ich werde mich an so einer Abzocke nicht beteiligen. Wer eine Wurzelend-Shakuhachi von mir will muss mit 300-500 Euro rechnen und die anderen Preise sind von 90 bis 280 Euro. Ich liefere so perfekt wie möglich und so gut wie möglich behandelte Flöten, Lösungsmittelfrei und mit weiteren Instrumenten und Harmonien auf 440 Hz gestimmt geprobt. Das ist was ich mache. Ich trage kein Kittel und kein Möchtegern Mönchgewand beim Handwerk sonder ein Werkstattshirt, welches ich nach 10 Flöten wegschmeißen kann, wegen Schellackspuren und ich freue mich jedes Mal, wenn meine Flöten so gestimmt sind, dass man sowohl alleine oder mit anderen Musikern spielen kann. Auf dem Mond werde ich nicht flöten.

Von Flüchtlingen und Nay Flöten

Ich versuche so oft es geht bei uns im Heim bei den Flüchtlingen zu helfen, immerhin kann ich fließend Arabisch und Deutsch. Und vor zwei Wochen saß da einer ganz bedrückt. Als ich fragte was los sei, sagte er, dass er seine Flöte vergessen hatte. Ich musste lachen und sagte: „Wußtest du dass du gerade mit dem vermutlich einzigen Naybauer in Deutschland sprichst“. Er lächelte, aber wollte es so nicht recht glauben. Wie auch, im Orient ist es schon schwer einen Naybauer zu finden, dann hier in Deutschland, im Flüchtlingsheim?

Und so nahm ich ihn zur Werkstatt, und baute ihm halt einfach eine Nay. Er war außer sich vor Freude. Heute rennt er in der Stadt herum und stets ist seine Flöte bei ihm. Irgendwie erinnert er mich an meine Jugend.