Man fragt sich immer wieder, ob man gleich eine
teure oder preiswerte Shakuhachi kaufen soll. Eine Shakuhachi
variiert zwischen 30 bis einige tausende Euros und die Entscheidung,
wieviel Du bereit bist zu zahlen, musst Du selbst treffen. Eine gute
Shakuhachi muss nicht teuer sein! Die nachfolgenden Kriterien,
sollen Dir helfen, eine gute Shakuhachi zu erkennen.
Zum Material
Heute gibt es Shakuhachis aus traditionellem
Bambus, Ahornholz, Metall, Glas, Plastik und sonstige Kunststoffe.
Bambus ist alleine schon deshalb zu bevorzugen, weil eine
Bambus-Shakuhachi nicht vom Fließband kommen kann. Aber nicht
jeder Bambus ist gleich gut, und nicht jede Handarbeit ist
lobenswert. Trotzdem empfehle ich eine Bambusshakuhachi, weil kein
Bambus wie der andere ist. Jedes Bambusrohr hat seine individuelle
Beschaffenheit. Die kleinsten Ungleichmäßigkeiten im
Inneren des Rohres geben jeder Bambusshakuhachi einen eigenen,
unverfehlbaren Klang. Shakuhachiliebhaber kaufen oft eine Shakuhachi
welche besonders verbogen ist, oder einen Schönheitsfehler im
Inneren hat, weil gerade diese dann einen individuellen Klang
produziert.
Natürlich lässt sich eine Shakuhachi aus
Ahorn vom Fließband zu ca. 150 Euro auch gut spielen, aber sie
ist so individuell wie eine Blockflöte. Wenn Du Dich für
eine Plastik Shakuhachi entscheidest, dann empfehle ich, den Rest des
Buches nicht mehr zu lesen.
Bambusshakuhachis können aus einfachen Rohren
gemacht sein, oder aus solchen mit einem Wurzelende. Das Wurzelende
macht die Shakuhachi um einiges teurer, weil das Bearbeiten einer
Bambuswurzel extrem schwer ist. Ich habe mir schon sämtliche
Laufbandsägen dabei ruiniert, ohne dass ich die Wurzel richtig
stutzen konnte. Letztendlich habe ich akzeptiert, dass diese per
Hand am besten mit einer japanischen Ziehsäge zu bearbeiten
sind, was allerdings auch am langwierigsten ist. Das Wurzelende muss
gereinigt, geschliffen und mit einem feinen Pinsel lackiert werden.
Der Mehraufwand macht sich zwar am Preis zu bemerken, aber er ist es
auf jeden Fall wert. Shakuhachis mit Wurzelende kann man gut stimmen
und man kann die konische Form (dass sich der innere Rohrdurchmesser
sich vom Mundstück Richtung Ende verjüngt) kontrollieren.
Shakuhachis ohne Wurzelende sollten eine Wanddicke
von mindestens 2-3 mm haben, es sei denn, dass der Shakuhachi-Meister
das Innere des Rohres so behandelt hat, dass es nicht durch
Feuchtigkeit beschädigt wird.
Traditionell wurden Shakuhachis von Innen mit dem
japanischen „Uruchi“ lackiert und geschliffen. Davon ist heute
dringend abzuraten. „Uruchi“ ist hoch toxisch und man kann das
gleiche Ergebnis mit modernen Akrylmischungen erreichen. Fragt den
Verkäufer nach dem Lackmaterial, welches er Euch anbietet und
meidet solche Shakuhachis, welche mit lösungsmittelhaltigen Lack
bearbeitet worden sind. Handle nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern
bedenke, dass Du durch die Shakuhachi atmest!
Das Mundstück
Das Mundstück kann eine Intarsie „Utaguchi“
haben oder nicht. Allerdings sollte man darauf achten, dass die
Intarsie gut sitzt. Im Fall, dass keine eingelegt worden ist, muss
die Vibrierkante so behandelt worden sein, dass sie durch das
Anblasen nicht verdirbt. Eine Blaskante welche nicht hart ist, ist
weggeschmissenes Geld! Kaufst Du eine Shakuhachi mit einer
Utaguchi-Intarsie, dann empfehle ich Dir den Kinko-Stil (siehe Seite
13). Diese sitzt fester im Bambus und hält so gut wie immer, und
falls sie aus irgend einen Grund doch rausspringen sollte, ist sie
leichter zu restaurieren. Ich habe schon Intarsien aus Gold, Silber,
Bernstein, Aluminium, Horn und Holz gemacht. Traditionell nutzt man
japanisches Büffelhorn. Jede Intarsie ermöglicht einen
anderen, besonderen Klang. Aluminium hat einen schärferen oder
helleren Klang als Büffelhorn. Büffelhorn dagegen ist
leichter anzublasen. Warum dies so ist, kann ich nicht sagen. Es
muss aber mit der Fähigkeit des Stoffes zu schwingen zu tun
haben. Schließlich wird dadurch der Klang produziert.
Das Binden und Verzieren
Dickwandige Bambusrohre, insbesondere solche mit Wurzelende,
müssen nicht zwingend gebunden werden. Doch das Binden verleiht
der Shakuhachi ein schönes Aussehen und gibt den Fingern, welche
nicht damit beschäftigt sind, eines der fünf Löcher zu
schließen, eine bessere Oberfläche zum Greifen der Flöte.
Shakuhachis aus dünneren Rohren müssen
gebunden sein. Die Bindung schützt die Shakuhachi von Rissen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, sogar wenn eine gut gebundene
Shakuhachi reist, dies völlig egal ist und dem Ton keinen
Schaden zufügt.
Wäre die Shakuhachi nicht gebunden, dann
würde solch ein Riss durch die ganze Shakuhachi durchgehen und
der innere Lack würde in Mitleidenschaft gezogen werden. Durch
die sorgfältige und starke Bindung bleibt ein Riss dann
lediglich ein Schalenriss.
Gebundene Shakuhachis müssen von außen
mindestens einmal transparent lackiert werden, insbesondere bei
Baumwollbindungen. Das Garn saugt den Lack auf und zieht sich beim
Trocknen so zusammen, dass es den Bambus noch stärker umfasst.
Der Rest des Lackes kann abgenutzt werden, die Bindung bleibt dennoch
fast ewig....
Den vollständigen Bericht können Sie in meinem Buch lesen:
Kaufen Sie mein Buch im Shaku-Shop
|